Siegerentwurf steht fest

Das Architekturbüro Steimle aus Stuttgart hat die Jury überzeugt und viel Lob für die dezente Umbauung des jetzigen Gebäudes erhalten
Stand: 31.10.2026

Das Neue ergänzt das Fehlende. Unter diesen Titel hat Architekt Thomas Steimle seinen Entwurf für „das Landratsamt der Zukunft“ gestellt. Und damit den Wettbewerb gewonnen, den der Landkreis ausgelobt hatte. Bei der Bekanntgabe am Donnerstag erhielt er eine Menge Komplimente – für das Ergebnis, aber auch die Herangehensweise.

„Wir haben versucht, die Struktur zu lesen“, erklärte Thomas Steimle. Schließlich war der Erhalt des bisherigen Landratsamtes ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabe. Herausgekommen ist ein Neubau in L-Form an der Südseite, der sich mit gleicher Architektursprache an den Bestand anschließt. „Das ist auch für den Baumbestand das Schonendste“, erklärte er. Aufgegriffen und fortgeführt wird der giebelständige Charakter des Gebäudes, auch die verwendeten Materialien wie Klinker Ziegel oder Muschelkalk werden wieder Einzug finden. Dem jetzigen Eingangsbereich wird ein einladender, warmherziger Pavillon vorgesetzt, der Brunnen aber soll bleiben.

Überzeugt hat das Büro mit Sitz in Stuttgart die Jury aus fünf Fach- und vier Sachpreisrichtern aber auch mit seinen Lösungen zur Funktionalität. So bekommen Kfz-Stelle und Jobcenter eigene Eingänge, bei der Planung der Büros wird Wert auf die Trennung zwischen Front- und Backoffice sowie offene Arbeitslandschaften gelegt. Auch die Lage im Grünen – Steimle sprach von einem Juwel – spiegelt sich in zahlreichen Elementen wider.

Landrat Ben Schwarz, der selbst nicht mit abgestimmt hatte, war anzusehen, wie angetan er von dem Entwurf ist. Besonders gefällt ihm die Demut vor dem bestehenden Gebäude, dem sich das neue unterordne. Weiterer Vorteil: Durch das Sich-Anschmiegen an den Bestand bleiben weitere Flächen an anderen Stellen unangetastet und als Reserve.

Einige der 21 Wettbewerbsbeiträge hatten die Aufgabe mit eigenen, teils wuchtigen und teils nur losen oder gar nicht verbundenen Bauten gelöst. Auch darunter waren sehr ansprechende und schöne Modelle, wie überhaupt „ganz tolle Ideen“ eingebracht wurden. Und klar sei auch: Hätte man einen Neubau auf der grünen Wiese gewollt, „wäre was anderes rausgekommen“. Beim Landrat punktet der Siegerentwurf auch mit der „dienenden Funktion“. Der Bürger stehe im Mittelpunkt, er soll gerne ins Amt kommen und sich eingeladen fühlen. Schwarz sprach von dem Tag als einem Meilenstein, für Mitarbeiter, Bürger, Stadt und Landkreis.

„Die Notwendigkeit ist da“, betonten Landrat Ben Schwarz und Kreisbaumeister Ralph Möllenkamp unisono. Letzterer führte vor Augen, dass man in diesen Wettbewerb schon beinahe gedrängt worden sei, nachdem angemietete Räume in der Sparkasse in diesem Jahr aufgegeben werden mussten. Alles in Allem belaufe sich der zusätzliche Platzbedarf auf fast 3000 Quadratmeter. Das mag viel erscheinen, allerdings verfüge das Amt über zahlreiche Außenstellen. Die zentral zusammenzuführen, sei einer der Gedanken hinter dem Projekt. Das erzeuge am Ende Synergien und spare laufende Kosten.

Mit hineingespielt in die Wahl des Zeitpunktes haben zudem die Erweiterung der Kreisklinik sowie die Erschließung eines Wohngebiets am Westring durch die Stadt Roth. Dies eröffne neue Zufahrtswege und entlaste den Weinbergweg in Sachen Verkehr und Parken.

Ralph Möllenkamp zeigte sich gleichermaßen sehr zufrieden. Ihn hatte Thomas Steimle vor allem durch den sensiblen Umgang mit dem Bestand überzeugt, er sprach von einer zurückhaltenden Lösung, die Entwicklungsmöglichkeiten offenlasse. Zudem seien neu und alt perfekt aufeinander abgestimmt. Den Wettbewerb selber bezeichnete er als anspruchsvoll, weil er viele Freiheiten beinhaltete, so gab es keine Vorgaben zum Standort für die Erweiterung. „Das kann manchmal schwierig sein.“ Dass das Gebäude nie als Amt konzipiert war, bleibe eine Herausforderung, ergänzte Ben Schwarz, der noch etwas einbrachte: „Wir wissen, dass die Digitalisierung Veränderungen für unseren Arbeitsalltag mit sich bringen wird, aber noch nicht, welche. Folglich werden wir Anpassungen vornehmen müssen.“

Kreisbaumeister Möllenkamp machte zudem deutlich, dass „wir am Anfang eines langen Prozesses stehen und eine gewissenhafte, tiefgründige Planung brauchen“. Durch die Anmietung der Bürocontainer für Gesundheitsamt und Kfz-Zulassung auf die Dauer von zehn Jahren sei der Zeitdruck nicht allzu groß. In diesem Zeitraum soll nach und nach baulich ein Raumüberschuss entstehen, um in späteren Schritten das jetzige Landratsamt, das zuvor das Kreiskrankenhaus war, bestandsschonend saniert werden. Als Erstes steht aber nun die Vergabe an, zu der die Kreisgremien gehört werden.

Alle eingeladenen Preisträger – neben Thomas Steimle Eva Maria Lang (Büro Knerer und Lang, München) und Hansjörg Bodamer (Bodamer Faber Architekten Stuttgart), die sich Rang drei teilen – bestätigten diese Einschätzung Ralph Möllenkamps. Eva Maria Lang erinnerte an die Ausgangsfrage: „Auf welches Grundstück gehe ich?“ Sie freute sich über die Anerkennung durch das Preisgericht. Auch Hansjörg Bodamer erläuterte seine Gedanken zu seiner Umsetzung. Er wollte alle öffentlichen Funktionen in einem Neubau unterbringen und den Altbestand mit internen Arbeiten füllen. „Denk- und umsetzbar wären alle drei Vorschläge gewesen“, meinte Ben Schwarz. „Sie dürfen zurecht stolz sein“, wandte er sich direkt an die Drittplatzierten.

Der Prozess sei jetzt schon „schön und spannend“ gewesen, fand der Landrat. „Ich bin sicher, er bleibt es, und freue mich darauf.“

Kompakt: Im Juli vergangenen Jahres hatte der Kreisausschuss den Realisierungswettbewerb beschlossen und ein Architektur- und Stadtplanungsbüro mit der Ausschreibung beauftragt. Diesen Juni fand ein Kolloquium statt Die Fachpreisrichter waren Peter Brückner (Tirschenreuth), Johannes Ernst (München), Professor Johannes Kappler (Nürnberg), Professor Ludwig Wappner (München) Peter Wich (München) sowie als ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter Jan Dorweiler vom Facility Management des Landratsamts. Als Sachpreisrichter agierten Christoph Raithel für die CSU-Fraktion im Kreistag, Helmut Bauz (FW), Markus Mahl (SPD) und Carolin Töllner (Grüne). Als sachverständige Berater/innen (ohne Stimmrecht) waren aus dem Landratsamt vertreten: Kreisbaumeister Ralph Möllenkamp, Anika Simon, Architektin, aus dem zuständigen Sachgebiet, Kreisfachberater Johannes Schneider für den Bereich Ökologie/Landschaft, Abteilungsleiter Alexander Wernard zum Thema Personal, Mitarbeiter, Arbeitsqualität sowie Jugendamtsleiterin Dorothee Schmidt, die sich in Sachen Funktionalität und kritischer Kundenkontakt einbrachte.

Ausstellung: Die eingereichten Entwürfe werden in der Hopfenhalle in Georgensgmünd gezeigt. Sind. Öffnungszeiten der Ausstellung sind: am Wochenende 31. Oktober/1. November, von 11 bis 17 Uhr, sowie in der folgenden Woche Montag, 2. November, 10 bis 14 Uhr, Dienstag, 15 bis 19 Uhr, Mittwoch 10 bis 14 Uhr und Donnerstag, 15 bis 19 Uhr. Samstag, 31. Oktober, um 15 Uhr, Sonntag, 1. November um 11 Uhr und Donnerstag, 5. November um 17 Uhr. Als Besonderheit bietet Kreisbaumeister Ralph Möllenkamp drei Führungen an. Diese sind am Samstag, 31. Oktober, um 15 Uhr, am Sonntag, 1. November um 11 Uhr sowie am Donnerstag, 5. November, um 17 Uhr.

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