
Sie ist für Senioren da
Der Landkreis hat eine eigene „Fürsorgerin“ für Seniorinnen und Senioren – Was macht die eigentlich genau?
Stand: 08.03.2026
Er ist ein wenig sperrig und altertümlich, der Begriff: Seniorenfürsorge. Dabei ist das, was dahintersteckt, wichtiger denn je. Findet zumindest Landrat Ben Schwarz, nachdem er sich von Sonja Krätzer hatte berichten lassen, was sich hinter ihrer Aufgabe verbirgt.
Kurz zusammengefasst: Mehr als er dachte. Denn die Heideckerin ist vielseitig gefragt: Manchmal als Feuerwehr, manchmal als Strategin, manchmal als Moderatorin, als Zuhörerin, mitunter ganz hemdsärmlig, als Vermittlerin oder Hinweisgeberin.
Diese verschiedenen Anforderungsprofile machen – neben dem guten Gefühl, ganz direkt helfen zu können – den Job „Seniorenfürsorge“ aus und zu etwas Besonderem. Man wisse eben nicht genau, was einen erwarte oder was die Menschen brauchen, berichtet Sonja Krätzer von ihrem Alltag.
Einsamkeit ist ein großer Faktor, berichtet sie, zumal die nicht selten in letzter Konsequenz zu gesundheitlichen Problemen, manchmal sogar bis zur Verwahrlosung führen. Wie sie da hilft? Schon alleine damit, dass sie „da“ ist und sich Zeit nimmt für „ihre“ Schützlinge. Wichtig sind natürlich die „Gegenmaßnahmen“ wie Besuchsdienst, Nachbarschaftshilfe oder der Hinweis auf ein Angebot der Gemeinde oder eines Vereins am Wohnort.
Sonja Krätzer will Landrat Ben Schwarz für ein weiteres Problem sensibilisieren: Altersarmut und die vor allem bei Frauen. Hier ist schnelle Hilfe gefragt und gefordert – Unterlagen müssen gesichtet und geordnet werden, ein Überblick über die tatsächliche Situation geschaffen und dann konkrete Lösungen gefunden werden.
Die Problemstellungen der Menschen sind so unterschiedlich wie die Hilfen. Die Seniorenfürsorgerin überlegt gemeinsam mit den Betroffenen, wie konkrete Maßnahmen im Alltag aussehen könnte - Sei es die Nachbarschaftshilfe, der Pflegestützpunkt, ein ambulanter Pflegedienst, eine Unterstützung beim Einkauf oder, oder, oder. Jeder Fall ist anders, immer steht der beste Weg für den Einzelnen oder die Einzelne im Vordergrund.
„Ich sehe schon, das ist ein komplexes Feld“, kommentiert Ben Schwarz das Gehörte. Wie kommt die gelernte Krankenschwester denn eigentlich zu ihren Kunden? Oft ist es der Anruf eines besorgten Nachbarn, eines Bekannten oder auch ein Hinweis von einem Kollegen aus der Wohngeldstelle im Landratsamt, der den Kontakt vermittelt. Der Landrat und die Heideckerin sind sich einig, das Angebot der Seniorenfürsorgerin muss noch bekannter werden.
Ganz wichtig ist Sonja Krätzer zudem der Hinweis, dass ihre Anfragen oder Unterstützungsangebote immer mit einem „Nein, ich möchte das nicht“ quittiert werden können – wenngleich sich die meisten gerne darauf einlassen.
Das Prozedere ist immer ähnlich: Die Fürsorgerin nimmt Kontakt auf, erklärt ihre Rolle und versucht, über ein Gespräch mit den Hilfesuchenden die Probleme zu erkennen und Lösungen aufzuzeigen. Nicht selten stelle sich dann heraus, dass zu dem ursprünglich benannten Thema weitere hinzukommen und der Unterstützungsbedarf höher ist, als gedacht. Rund 50 Seniorinnen und Senioren nehmen dieses Angebot derzeit in Anspruch – Tendenz steigend. Ziel ist dabei oft, den Verbleib in den eigenen vier Wänden durch kleine oder große Hilfen zu ermöglichen.
Nach der ersten Kontaktaufnahme ist dann alles möglich: Eine einmalige Aktion oder regelmäßiger Austausch – sei es vor Ort oder am Telefon – je nachdem was die Situation erfordert. Wenn eine Lösung gefunden wurde, Hilfsangebote installiert sind, ist die Fürsorgerin nicht „raus“. Sie bleibt auch weiterhin mit den Menschen in Kontakt und schaut immer wieder nach dem „Rechten“. Rund 20 Fälle sind so noch in ihrem Fokus.
Für Ben Schwarz ein bester Beweis, wie wichtig und wertvoll Sonja Krätzers Tätigkeit ist. Zumal niederschwellig: Ohne Antrag, ohne Kontrolle, ohne Druck, ohne Sanktionen, „ein wertvolles und wichtiges Angebot“, fasst er zusammen. „Es tut gut, Menschen helfen zu können und etwas Zeit zu schenken“, antwortet sie auf Ben Schwarz` Frage nach dem, was sie antreibt oder motiviert, trotz der manchmal belastenden Situationen weiter zu machen.
Und wie kommt man in den Genuss der Fürsorge? „Einfach anrufen oder mailen“, lächelt die Heideckerin. Landrat Schwarz kann das nur empfehlen: Machen!
Gut zu wissen: Die Seniorenfürsorge des Landkreises kümmert sich seit 1. September 1999 um Menschen, die einsam, von der Gesellschaft abgeschnitten, oder mit ihrer aktuellen Lebenssituation überfordert sind. 2022 hat Sonja Krätzer diese Aufgabe übernommen. Sie will denen helfen, die keine Unterstützungsangebote haben und alleine nicht mehr zurechtkommen. Melden kann sich jeder, der Hilfe braucht oder Jemanden kennt, der sie benötigt – sei es der Hausarzt, die Apotheke, die aufmerksame Nachbarin, der Pfarrer, Freunde… Die Hilfe ist unbürokratisch, praktisch und reicht von telefonischer Beratung bis zu einem Besuch im eigenen Zuhause.
Video-Interview auf Youtube (extern)
Seniorenfürsorgerin
Senioren, Beratung und Betreuungsstelle