
Mitreden auf oberster Ebene
Landrat Ben Schwarz wurde in einen Fachausschuss des Bündnisses für Bildung berufen
Stand: 25.02.2026
Deutschland zählt fast 300 Landkreise. Doch nur einer ist im Fachausschuss „Moderne Lernräume“ des Bündnisses für Bildung vertreten. Und zwar in Person von Ben Schwarz. Dessen Berufung in den honorablen Kreis erfolgte bei einer Arbeitssitzung des Gremiums in Lauf, bei der es vor allem um eines ging: Die Schule und die Lern- und Bildungsräume der Zukunft.
Der Ort des Treffens war nicht zufällig gewählt. Vier Jahre lang wurde die Bertleinschule in Lauf kernsaniert, die Schülerinnen und Schüler mussten zeitweise in Container umziehen. Dennoch betont Rektorin Martina Brix, dass das „das Beste war, was wir machen konnten“. Im Raum gestanden hatte ein Neubau auf der grünen Wiese, in dem die Klassenzimmer aufgrund der Vorgaben deutlich kleiner geworden wären.
Während das Gebäude von der Straße aus 1970er-Jahre Charme versprüht, ist es im Inneren eine Offenbarung: Hell, freundlich, einladend, viel Holz, dezente Kunst an den Wänden. Keine Frage, die zweitägige Fachtagung begann mit einem optischen Wow-Effekt.
Für einen der anderen Art sorgten wenig später Joachim Schnabel, fachlicher Leiter des Schulamts im Landkreis Nürnberger Land, sowie Ulrike Hölzel, Rektorin der Grete-Schickedanz-Grundschule Hersbruck. Die beiden räumten eindrucksvoll mit dem Vorurteil auf, das manchem Arbeitskreis anhaftet. Obwohl erst vor sechs Monaten eingesetzt, hat der schon eine Menge „gerissen“ – vor allem: in Erfahrung gebracht.
Denn genau das ist essentiell für dessen Mission, die als erstes Ziel hat, der Politik Handlungsempfehlungen zu geben. Und zwar direkt an Bundesbildungsministerin Karin Prien. Zweite Anforderung: Einen Leitfaden für Schulträger, Schulaufsichten und Schulleitungen entwickeln, was ein Lernraum heute und morgen vorhalten und bieten muss, was es braucht und was nicht, kurzum: Was schafft ein Umfeld, in dem junge Menschen motiviert werden, zu lernen, nach- und zu hinterfragen, zu entdecken, sich bilden zu wollen, zu arbeiten oder zu durchdringen.
„Wir wollen Veränderung schaffen und Wirksamkeit erreichen“, umriss Dr. Christian Hilz das Zielfoto des Fachausschusses, der dem – nach Meinung aller Beteiligter am Ende – ein gutes Stück näher gekommen war. Der Gredinger Unternehmer hatte als „Vertreter des Handwerks“ kurzerhand die Begrüßung übernommen, weil sich die Bündnis-für-Bildung-Vertreter verspäteten. Hilz wies auf einen Kern-Faktor der Überschrift und des Prozesses hin. „Es geht ums Durchdenken des gesamten Prozesses und des Lern- und Bildungsraumes in Schulen.“
Das sollte sich insbesondere in den Workshops zeigen, die später drei zentrale Bereiche zum Thema hatten. Der erste: Wie schaffen wir technisch wirksame Räume? Was versprechen sich Lehrer, Seminarleiter und Schüler davon? Dazu sollten später Schlagworte wie Akustik, Licht oder digitale Ausstattung zählen. Teil zwei: Wie sieht zeitgemäße Gestaltung von Lern- und Bildungsräumen aus? Antwort (in Auszügen): Ruhe- und Aktivzonen, Flexibilität, ansprechende Ästhetik, gute Farbgebung. Und nicht zuletzt: Was braucht es, um ein pädagogisches Konzept einer kompetenzorientierten Lernkultur umzusetzen?
Denn in einem waren sich alle der knapp 50 Teilnehmer einig. Die Räume müssen der Pädagogik folgen und nicht anders herum. Joachim Schnabel fasste das so zusammen: „Der Raum ist der dritte Pädagoge.“ Und: „Die Kinder haben das Beste verdient.“
Landrat Ben Schwarz, der sich über die Berufung in den Fachausschuss sichtlich freute, unterstrich dies. Bildung sei „die größte Chance, über die wir verfügen.“ In der Mitarbeit im Fachausschuss sieht er „eine große Chance zur Mitgestaltung und zeigt, dass die Stimmen an der Basis gehört werden.“
Sein Nürnberger Land-Amtskollege Armin Kroder betonte, dass „wir Schulen nicht für uns bauen, sondern für die Zukunft“ und versprach, Ideen und Empfehlungen des Fachausschusses weiter zu verfolgen. „Hier sind Menschen am Werk, die genau wissen, wovon sie sprechen.“ Dass sie sich mit ihren Expertisen einbringen, „ist einfach super“.
Dr. Christian Büttner, Geschäftsführer des Forschungsinstitut Bildung Digital (FoBiD) und seit Dezember 2017 Vorsitzender des Bündnisses für Bildung, war baff-erstaunt, als er die große Teilnehmerrunde sah und bezeichnete die Resonanz als „überwältigend“. Das Bündnis mit seinen rund 160 Mitgliedern von Kommunen bis Unternehmen lege großen Wert auf seine Unabhängigkeit und Neutralität, betonte er. Genau das wiederum verleihe seinen Worten und Einschätzungen Gewicht.
Umso wichtiger seien Arbeitstreffen wie das in Lauf, die „auf die Basis hören und die Praxis zusammenfassen“. Mit Ben Schwarz und Armin Kroder war er sich einig: „Nur das bringt uns im Sinne der Kinder und Lehrer weiter.“
Denn zu oft werde vergessen, wie wichtig gesunde, motivierte Pädagogen und Schüler sind, die sich in der Schule als Lern- und Lebensraum wohlfühlen. Joachim Schnabel griff diesen Gedanken auf. Wer in Räumen mit Geräuschpegeln wie einer Bahnhofshalle unterrichten und zugleich unterschiedlichste Leistungsniveaus und Bedürfnisse unter einen Hut bringen solle, müsse früher oder später scheitern – egal, wie fachlich gut, gesund oder engagiert er oder sie ist.
Ben Schwarz brachte einen weiteren herausfordernden Faktor ein: Noch nie seien Klassen so „bunt gemischt“ gewesen wie heute. „In mancher 1 b oder 2 c sind mehr Nationalitäten vertreten als in einem an der Börse datierten deutschen Konzern.“
Christian Büttner, der viele Jahre in Nürnberg tätig war – unter anderem im Referat Schule und Sport der Stadt sowie als Direktor des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie, war von den Räumlichkeiten in Lauf ebenso beeindruckt wie die anderen, aus ganz Deutschland angereisten Gäste, die an Tag zwei noch das Innovationsklassenzimmer an der Mittelschule in Schnaittach besuchten. Welch hohen Stellenwert das Bündnis, aber auch Ausschuss und Veranstaltung genossen, zeigte auch die Anwesenheit von Günther Schuster, Leiter des Bereichs „Schulen“ bei der Regierung von Mittelfranken.
Seit der Wiedereröffnung im Herbst 2023 sind in der Bertleinschule neue Lernräume in sonst brach liegenden Teilen des Gebäudes, wie auf dem Flur und in der Aula erschlossen worden. Die meisten Klassenzimmer erlauben einen Blick „ins innere Außen“, so dass Lehrer ihre Schützlinge aufteilen können und trotzdem alles im Blick haben. Für Joachim Schnabel ist das Konzept ein Musterbeispiel dafür, was in Bestandsgebäuden entwickelt werden kann.
Noch einmal Ben Schwarz: „Wir müssen mit denen arbeiten und über doppelte Nutzungsmöglichkeiten nachdenken.“ Es sei weder nachhaltig noch ökologisch oder ökonomisch sinnvoll, für jeden Bedarf von für die Betreuung von 7 bis 16.30 Uhr an jedem Ort einen neuen Hort zu bauen. „Räume neu denken“, sei das Schlagwort, das wiederum Joachim Schnabel nur allzu gerne unterstrich. Und nicht nur er…