
Ein Heft, das Appetit macht
Landkreis und Stadt Schwabach stellen gemeinsame Direktvermarkter-Broschüre vor
Stand: 10.03.2026
Prominente Produktpaten: echt, regional, handgemacht
Er war wohl gewählt, der Ort für die Vorstellung der neuen Direktvermarkter-Broschüre für den Landkreis Roth und die Stadt Schwabach. Schließlich ist Haag schon lange für seine Hofläden bekannt und eindrucksvoller hätte die Szenerie im Haselnussgarten der Familie Spachmüller auch nicht sein können – vereint sie doch alles, worauf die Publikation aufmerksam machen will: echt, regional, handgemacht.
Doch nicht nur das Konzept, auch die Umsetzung begeisterte die Premierengäste, allen voran Landrat Ben Schwarz und Oberbürgermeister Peter Reiß. Die sind nicht nur Schirmherren der Marketing-Offensive, sondern fungieren auch als zwei der insgesamt sieben Produktpaten in der Broschüre – eine Neu-Erfindung für die dritte Auflage.
„Nudeln gehen immer“, begründet Ben Schwarz, warum er sich um die Alleskönner geradezu „gerissen“ habe. Als Zugabe liefert er „Pesto nach Landrat-Art“ mit. Peter Reiß verrät das Spargel-Lasagne-Rezept seiner Schwiegermutter – und beweist damit zugleich diplomatisches Geschick, weil er mit diesem die Entscheidung „weiß oder grün“ elegant umschifft. Gebraucht werden beide, und das mit jeweils 750 Gramm nicht zu wenig. Zumindest in Haag bewahrt er zu den weiteren Zutaten und Raffinessen Stillschweigen, einzige Ausnahme oder vielleicht auch Köder: Es braucht Käse.
Für Peter Reiß sind Broschüre und die Initiative als solche eine „schöne Kombination, die gekonnt in Wert setzt, was wir hier haben“. Landrat Ben Schwarz hebt den Mehrwert des Ganzen hervor. Verbraucher erhalten „einfach und unkompliziert“ konkret Adressen, Ansprechpartner und Impulse. Das Alles ist dynamisch gedacht, weswegen zeitnah eine Datenbank mitsamt Such- und Filterfunktionen an den Start gehen soll. Letztere hat einen entscheidenden Vorteil. „Online können wir sehr schnell reagieren, alle Informationen auf Stand halten, Neues ergänzen und so A und B zusammenführen“, betont Anne Landmann vom Team im Landratsamt.
Denn genau das ist das Ziel hinter der Kampagne: Erzeuger zu unterstützen – was nicht nur deren Existenz sichert, sondern auch dem Erhalt „unserer wunderbaren“ Kulturlandschaft dient – und Verbraucher zu sensibilisieren, wie groß das regionale Angebot „um die Ecke“ ist. Während Spargel, Honig und Eier den meisten noch in den Sinn kommen, dürften Melonen oder Kichererbsen eher das Zeug zur Überraschungstüte haben.
Diese Vielfalt optisch ansprechend und auf verschiedenen Kanälen zeitgemäß zu präsentieren, ist den „Machern“ ein Anliegen. Mit dem über 100 Seiten dicken Heft ist das schon bestens gelungen, stimmt die Vorstellungsrunde überein. Unter ihnen mit Behördenleiterin Ingrid Bär vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und ihrem Stellvertreter Wolfgang Jank sowie Kreisbäuerin Monika Volkert und Bauernverband-Kreisgeschäftsführer Daniel Meier weitere Produktpaten. Die beiden Letzteren machen sich zusammen mit Kreisobmann Manfred Dorner für Milch(produkte) stark, die „für unsere Region eine zentrale Rolle spielt und verbindendes Element zwischen Erzeugern und Verbrauchern ist“. Für das AELF-Duo war schon im Moment der Anfrage klar: Die Kartoffel ist es! Ingrid Bär bezeichnet sich gar als „Kind der Kartoffelpfalz“. Nur logisch, dass es ihr überlassen war, mit den „Reibermäusen“ ein Familienrezept beigesteuert hat. Wolfgang Jank, ebenso bekennender Erdäpfel-Fan, verrät, dass man ihn mit „Kniedla“ jederzeit locken könne.
Aufgebaut ist die Broschüre nach Produktgruppen, die jeweils mit einem „Wissen kompakt“ eingeleitet werden. In einem Info-Teil schließen sich alle wissenswerten Daten zu den einzelnen Anbietern an. Abgerundet wird der Inhalt durch Allgemeines zum Thema „Original regional“, eine Übersicht der Bauernmärkte, weitere Rezepte, Tipps, „Funfacts“ und weiterführende QR-Codes.
Den „Machern“ ist wichtig, deutlich zu machen, wofür heimische Produkte stehen: Frische, Qualität, Vielfalt, Tradition, Transparenz, Vertrauen, Umweltschutz, Stärkung der lokalen Wirtschaft… Für Landrat Schwarz ist aber auch klar, dass das Alles „ohne die Menschen, die das mit Leib und Seele mitgestalten, nicht funktionieren würde“.
Stellvertretend für die sind Verena und Johannes Spachmüller bei dem Termin dabei. Ihr Familienbetrieb mit früher traditionellem Tabakanbau hat schon in den 1970er-Jahren über den Spargel den Weg in die Direktvermarktung gefunden. In den 2000ern kam die Haselnuss hinzu, die „immer noch in den Kinderschuhen steckt“.
Was nicht weniger als ständige Weiterentwicklung bedeutet, sei es zum Baumabstand oder kreativen Ideen zur Vermarktung. Ein perfekter Rückpass zum Sachgebiet im Landratsamt, das zu den gedruckten Handreichungen gerade an einer Online-Anwendung arbeitet, die das Thema bestmöglich bespielen und vor allem Suche vereinfachen und möglichst großen Service bieten soll. Auch die Aufnahme neuer Betriebe ist unkompliziert möglich.
Dann ist da noch ein Satz, den „Wenn wir uns nicht abheben, lassen wir’s“, formuliert Johannes Spachmüller den eigenen Anspruch an die Qualität, seiner Meinung nach ohnehin „das A und O“. Ingrid Bär outet sich als Fan der Haager Haselnüsse und schwärmt von den Röstaromen. Zugleich zieht sie den Hut vor dem unternehmerischen Mut, immer wieder Neues zu wagen und sich verbessern zu wollen. „Das ist ganz grundsätzlich eine Stärke unserer heimischen Landwirte“, stellt sie heraus.
Nicht umsonst sei der Landkreis Roth der mit den meisten Sonderkulturen. „Reiner Ackerbau ist hier schwierig, man muss schon genau auf die Flächen schauen, um herauszufinden, wo und wie ich Ertrag herbringen“, ergänzt Wolfgang Jank.
Fast 140 Betriebe sind in dem „echten Gemeinschaftswerk“ zu finden. Das spiegele wider, dass in Sachen Regionalität und Unterstützung der heimischen Betriebe „alle“ an einem Strang ziehen. Peter Reiß weiß noch einen Grund, warum auch Schwabach und Roth so gut zusammengeht. „Viele unserer Bauern haben Flächen im Landkreis.“
Mit ihrem jüngsten Produkt scheint die Kreisentwicklung jedenfalls einen Nerv getroffen zu haben. Gerade einmal drei Wochen im Umlauf ist die Nachfrage sehr groß, berichtet Sachgebietsleiter Stefan Forster nicht ohne Stolz. Zu haben ist sie unter anderem bei den Gemeinden, den teilnehmenden Betrieben, zum Herunterladen und auf Nachfrage im Landratsamt.