

Expertise trifft Engagement
Ben Schwarz überreicht Hans-Dieter Liß das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten
Stand: 27.02.2026
Lebenswerk 2.0. Besser ist das nicht zu beschreiben, was Hans-Dieter Liß seit seiner Pensionierung geleistet hat. Und weil Landrat Ben Schwarz und Bürgermeister Jürgen Spahl nicht alleine mit dieser Einschätzung sind, darf der Rednitzhembacher nun das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten tragen.
Verdient hat er sich das – und verdient war das zweite Wort, das bei der feierlichen Verleihung im Rathaus immer wieder fiel – vor allem durch sein Engagement für und beim Werkhof Regenbogen. Den hat der frühere Geschäftsführer der Gmünder Firma Kießling nicht nur aus finanzieller Schieflage befreit, sondern auch Vertrauen zurückgewonnen. „Das ist Ihr großer Verdienst“, anerkannte Landrat Ben Schwarz. Der stellte zudem das „unglaublich große Engagement“ des mittlerweile 86-Jährigen heraus, der seit 2005 mit nur einer kurzen Unterbrechung das Amt des Vorsitzenden innehat. Wäre das nicht schon genug, übernahm der gebürtige Berliner eine Zeit lang auch unentgeltlich die Geschäftsführung, um die Beschäftigung der Mitarbeiter zu sichern.
Was den sozialen Punkt von Liß‘ Engagement in doppelter Hinsicht unterstreicht, schließlich ist wesentlicher Gedanke des Werkhofs, Erwerbslose oder benachteiligte Menschen beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu unterstützen. „Großes Kompliment und von Herzen Danke dafür.“ Ben Schwarz wies zudem auf die Nachhaltigkeit hin, für die der Werkhof stehe. Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug und mehr wird Second Hand verkauft, vieles vorher aufbereitet, wie Möbel oder Fahrräder. Und das zu erschwinglichen Preisen.
Folglich wundert es wenig, dass dem Hembacher als Erstes die aktuell knapp 60 Ehrenamtlichen in den Sinn kommen, die den Werkhof neben den Beschäftigten seit vielen Jahren „am Laufen“ halten. „Ihnen möchte ich gerne Danke sagen.“ Neben der „Keimzelle“ in Pfaffenhofen, unter der die Einrichtung 1998 unter dem Dach der Kriegskindernothilfe entstanden ist, unterhält der Werkhof ein Kaufhaus in der Rother Ohmstraße sowie eines in Bayreuth. Dessen Geschäftsführerin Rita Hagen hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Feierstunde anzureisen und komplettierte so die Runde aus Hans-Dieter Liß, seiner Frau Ellen, Tochter Martina und Enkel Dennis.
„Es gibt kaum jemanden, der diese Auszeichnung so verdient hat wie Sie“, strich Bürgermeister Jürgen Spahl heraus, der den 86-Jährigen als großes Vorbild bezeichnete. „Wenn alle so anpacken würden, wäre unsere Gesellschaft besser aufgestellt.“ Er bescheinigte „seinem“ Hembacher, dem Werkhof zu Strahlkraft verholfen zu haben.
Wobei: Darf man einem waschechten Berliner überhaupt einen anderen Ortsnamen überstülpen und ihn als Hembacher bezeichnen? Hans-Dieter Liß und seine Frau Ellen beantworten das mit einem Lächeln. „Ja, weil wir uns vom ersten Moment an hier wohl gefühlt haben.“ Die Wahl war auf Rednitzhembach statt dem Arbeitsort Gmünd als neuen Lebensmittelpunkt gefallen, weil „wir da das Gefühl Großstadtnähe hatten“ – auch, wenn die Ausflüge dorthin mehr in der Theorie existierten und „zwei Mal Karstadt-Treppe dann auch wieder gereicht hat“.
Ideen, die irgendwann in den Hintergrund gerieten. 2023 feierten Hans-Dieter und Ellen Liß Goldene Hochzeit. Kennengelernt hatten sie sich im September 1962 in einem Geschäft in Berlin, bereits im April 1963 heiraten sie – ihre Verbundenheit, die stille Übereinkunft, auch kurz vor ihrer Eiserenen Hochzeit strahlen beide eine unglaubliche Verbindung aus.
Georgensgmünd – wo ist das denn? Das war der erste Gedanke, den Hans-Dieter Liß hatte, als ihn seine Firmenleitung (damals Wella Professionals, wo er eine führende Position innehatte) Ende der 1980er-Jahre anfragte, ob er sich ein Engagement in Franken vorstellen könne. Der erste Griff ging folglich Richtung Landkarte. Augenzwinkernde Erkenntnis: „vom Ku‘damm ins Kuhdorf…“ Seine Tochter spricht lieber von „Georgetown City, der Weltstadt mit Herz“.
Martina Liß führt die Philosophie ihres Vaters weiter und fungiert mittlerweile als Geschäftsführerin des Werkhofs, ihr Sohn bringt sich ehrenamtlich im Vorstand ein. Voller Hochachtung – und, vielleicht ist das einer der Schlüssel-Sätze der Feierstunde – sagt sie: „Mein Papa hat es geschafft, uns nach oben zu bringen. Nun ist es an uns, dafür zu sorgen, dass wir im Sinne der Menschen da bleiben.“ Eine Aussage, die ihren Vater spürbar berührt. „Es ist wundervoll, dass ich das noch begleiten kann“, sagt er, gleichermaßen (und womöglich nicht leicht zugebend), dass „da eine Menge Herzblut drin steckt“.
Zusammengebracht hatte den Werkhof und dessen inzwischen „Macher“ Altlandrat Herbert Eckstein. Der habe ihn bei der Verabschiedung bei Kiessling schon in Richtung ehrenamtliches Engagement „angefixt“ und knapp ein Jahr später dann konkret angefragt, ob er nicht als Berater tätig werden könne… nun, der Rest ist (Ehrenzeichen-)Geschichte.
Landrat Schwarz wollte als Ergänzung zu der „großartigen Bereitschaft, sich noch mal zu binden“ den beruflichen Erfolg des Geehrten nicht unerwähnt lassen und erinnerte zunächst daran, dass es „noch West-Berlin gab“, als sich die Familie aufmachte. Georgensgmünd durchlebte nach der Grundig-Pleite harte Zeiten. Dass die heutige (Wella-Nachfolge-)Firma Kiessling gut da stehe, sei nicht zuletzt Hans-Dieter Liß zuzuschreiben. „Sie können mit Stolz von sich sagen, dass Ihre beiden Missionen in Gmünd und Pfaffenhofen gelungen sind.“
Gut zu wissen: Der Werkhof Regenbogen ist ein eingetragener Verein einer gemeinnützige Einrichtung; Er gibt Arbeitslosen, Schwerbehinderten und sozial benachteiligten Menschen die Chance, wieder im Alltag und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Kaufhaus in Roth ist Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet und möchte „ein möglichst normales Einkaufserlebnis“ bieten – seit Kurzem ist dort auch Kartenzahlung möglich. In Pfaffenhofen gibt es zusätzlich Möbel und Fahrräder.