
„Einfach spitze“
Metallspitzenklöppeln in Abenberg ist nun Immaterielles Kulturerbe – Auszeichnung und Ansporn zugleich
Stand: 10.05.2026
Es ist DER Ritterschlag und die höchste Auszeichnung, die ein Kulturerbe überhaupt erhalten kann: Die Aufnahme in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Eine Auszeichnung, die zugleich ein Zukunftsauftrag ist.
Zunächst stand allerdings die Freude über die erfolgreiche Bewerbung im Mittelpunkt. Die wird im Juli mit der Überreichung der entsprechenden Urkunde durch Finanz- und Heimatminister Albert Füracker offiziell vollzogen. Initiiert und vorangetrieben hatte sie der Heimatverein Abenberg. Silvia Johann als dessen Vertreterin durfte folglich eine Menge lobende Worte hören, als sich Landrat Ben Schwarz, Bürgermeisterin Susanne König, Museumsleiterin Kerstin Bienert, Landkreis-Kulturreferent Jörg Ruckriegel, das Abenberger Geschichts-Urgestein und -Gedächtnis Franz Kornbacher und Klöpplerin Jutta Reichmann kürzlich im Klöppelmuseum auf der Burg trafen. Ziel aber auch: Gemeinsam überlegen, wie die nunmehr mit einem außergewöhnlichen Prädikat ausgestattete Handwerkskunst mehr in den Fokus gerückt, besser vermarktet und vernetzt werden kann.
Erste Ideen gibt es bereits, weiter erarbeitet und umgesetzt werden sollen die im Zusammenspiel aller Akteure. Kerstin Bienert bezog ausdrücklich die Klöppelschule mit ein, die sicherstelle, dass Kinder mit der handwerklichen Spitzenherstellung in Kontakt kommen. Das Museum sei dem Heimatverein dankbar für die Initiative und die Übernahme des aufwendigen Antragsverfahrens, „wir hätten die Kapazitäten nicht gehabt“.
„Kein Zweifel, wir feiern hier eine Errungenschaft“, ordnete Jörg Ruckriegel ein – zumal es das Metallspitzenklöppeln Abenberg als Erstes im Landkreis in die Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft hat. Zu dem zählen in Deutschland unter anderem das Augsburger Friedensfest, die Falknerei, die Passionsspiele Oberammergau oder auch das Skatspiel. International darf man sich in einem Atemzug mit der Italienischen Küche, dem bulgarisches Dudelsackspiel oder Yoga nennen.
Landrat Ben Schwarz sah die Auszeichnung zunächst als Bestätigung für die großartige Arbeit, die geleistet würde. „Sie alle sorgen dafür, dass diese besondere Tradition bewahrt und in die nächste Generation getragen wird.“ Genau das sei auch der Auftrag, der mit dem Titel Kulturerbe einhergehe. „Das ist ein Vermächtnis.“
Und es ist identitätsstiftend für Abenberg, war er sich mit Bürgermeisterin Susanne König einig. Wie auch in der Einschätzung, dass mit dem Titel große Chancen und Möglichkeiten einhergehen. Zumal in der Verbindung mit der Drahtzieherszene, dem Fabrikmuseum Roth, dem Schloss Ratibor oder dem Gilardihaus. Dies und mehr zu verketten, sei ein reizvoller Gedanke. „Das könnte manchen Funken überspringen lassen.“ Wobei die Runde keinen Zweifel daran hat, dass „das mit diesen Mitstreitern auch gelingen wird“.
Susanne König erinnerte an den Moment, als Silvia Johann ihr „am Küchentisch“ von der Idee zur Bewerbung erzählt hatte. „Großen Respekt für die Mühe und die Arbeit“, anerkannte sie. Heimatverein und Stadt könnten sich „glücklich schätzen, dich zu haben“.
Museumsleiterin Bienert griff den Vermächtnis-Gedanken von Landrat Schwarz auf und sprach zudem von einem Meilenstein. „Wir haben hier einen Schatz, der bis ins 18. Jahrhundert zurück reicht“, ordnete sie ein. Geklöppelte Werke aus Abenberg hätten ihren Weg bis nach Brasilien oder Shanghai geschafft. „Das sollten wir hoch einordnen“, meinte sie und katapultierte das Wort „Spitzenschatz“ so in eine neue Dimension.
Burgexperte, Heimatforscher und Urgestein Franz Kornbacher – ihm wurde für seine Pionierarbeit in Sachen Museum gedankt - erzählte so manche Anekdote. So stellten die Abenberger 1990 ihre Handwerkskunst im Frankfurter Airport Center aus. Der 92-Jährige freute sich, dass die vielen Bemühungen nun in die hohe Auszeichnung gemündet seien und gab den Mitstreitern einen Wunsch mit auf den Weg: „Lasst nicht locker.“
Dass der Weg in die Moderne und zu den jungen Menschen gelingen kann und wie, veranschaulichte Jutta Reichmann. Die Klöppel-Künstlerin, die den fachlichen Input für die Bewerbung geliefert hatte, verwies exemplarisch auf ihre Schwiegertochter, die „ganz wild“ auf ein von ihr nach alten Mustern hergestelltes Haarband gewesen sei. Gerade Schmuck – Ohrringe, Armbänder, Ketten, die teils auch im Museum gezeigt werden - haben ihrer Meinung nach das Zeug, besagten Funken überspringen zu lassen.
Gut zu wissen: Die UNESCO will seit mehr als 20 Jahren mit dem Titel Immaterielles Kulturerbe den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt gelebter Traditionen fördern. Unterstützt werden insbesondere Weitergabe, Dokumentation und Erhalt lebendiger Traditionen aus unterschiedlichsten Bereichen. Ziel ist deren Sichtbarmachung und eine Bewusstseinsförderung. Näheres zum Immateriellen Weltkulturerbe gibt es im Internet unter Immaterielles Kulturerbe - Deutsche UNESCO-Kommission, das Klöppelmuseum informiert hier: Klöppelmuseum Abenberg – 400 Jahre Klöppelkunst erleben - Burg Abenberg. Geöffnet ist es Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 17 Uhr, auch am Pfingstmontag, allerdings aufgrund des Feuertanzfestivals nicht am 12. und 13. Juni.