Ein „Klebstoff-Duo“ für Generationen

Karola Schneck und Friedhelm Kumpe aus Georgensgmünd sind kraft Amtes die Ersten ihrer Art – und Manager mit der Mission, Menschen zu verbinden
Stand: 26.07.2026

Wer kann schon „Nein“ sagen, wenn einen der eigene Bürgermeister nett bittet? Zumal, wenn das eigene ehrenamtliche Herz ohnehin groß ist. Beides zusammen ist dann vielleicht auch die beste Erklärung, warum Karola Schneck und Friedhelm Kumpe das sind, was sie sind. Nämlich Generationenwegweiser. Was oder wer aber sind und was machen die? Landrat Ben Schwarz wollte das genau wissen – und erhielt spannende Antworten.

Der Ordnung halber aber zurück zum Bürgermeister, im konkreten Fall in Person von Friedrich Koch. Der „schickte“ Karola Schneck und Friedhelm Kumpe im Herbst 2025 kurzerhand zur entsprechenden Fortbildung – wohl wissend, dass er die Richtigen ausgewählt hatte. Schließlich sind beide schon Jahre im Seniorenbeirat aktiv. Betonung auf aktiv. „Wir möchten Menschen verbinden“, verdeutlichen beide. Wie wichtig (und bereichernd) das ist, haben beide in ihrer Tätigkeit im Seniorenbeirat erfahren. „Sich einfach mal treffen, reden, austauschen…“ – Was so leicht klingt, scheitert in der Praxis an Vielem. Angefangen von einem passenden Ort über Scheu oder fehlende Mobilität.

Die Arbeit als Generationenwegweiser sehen sie daher als weitere Chance – für die Älteren, aber auch die Jugend. „Die einen haben die Erfahrung, die anderen das heutzutage erforderliche technische Know-how“, bringt es Friedhelm Kumpe auf den Punkt. Etwas, das Landrat Ben Schwarz nur allzu gerne unterstreicht. „Es braucht Menschen, die mitmachen und die offen sind“, animiert er.

Dass der Fall „jung und alt zusammen“ funktioniert, kann Friedhelm Kumpe aus der Praxis bestätigen. Im Gmünder Repaircafé, in dem er seit rund fünf Jahren dabei ist, helfen Jugendliche den Älteren bei Problemen mit Handy, PC und Co. Der Ingenieur und Informatiker, den es vor rund zehn Jahren von Nürnberg aus auf seinen „Altersruhesitz“ nach Georgensgmünd verschlagen hat, kann von vielen schönen und bereichernden Begegnungen in diesem Format erzählen. Deswegen musste er auch nicht lange überlegen, als Friedrich Koch in dieser Sache bei ihm anklopfte.

Zumal er aus dem Jugendtreff Don Camillo eine weitere Erfahrung mitbringt. „Es tut den Teenagern richtig gut, mal einen Schraubenzieher in die Hand zu nehmen“, fasst er symbolhaft zusammen. Bedeutet: Sie lernen, dass man nicht alle Probleme mit dem Smartphone lösen kann, sondern Werkzeug braucht, das man im Idealfall auch benutzen kann. „Es ist schön zu sehen, welches Zutrauen die Jugendlichen gewinnen, was „Selber-machen-Können“ auslösen kann.“ Und es gebe auch gemeinsame Erfolgserlebnisse, wenn es „Jung und Alt“ etwa zusammen gelinge, ein altes Röhrenradio an ein Handy anzuschließen.

Das passe gut in die Zeit, in der durch Digitalisierung Grundfertigkeiten verloren gingen, lobte Ben Schwarz diese Initiative, die mehr sei als die Vermittlung von Fertigkeiten. Die hat auch Karola Schneck im Sinne eines Türöffners im Sinn. Handarbeiten wie Stricken und Häkeln erleben ein Survival, hat sie beobachtet. „Wären da nicht generationenübergreifende Treffen schön?“, fragt sie. Ihre zweite Idee: Singen verbindet. „In der Richtung möchte ich was in Angriff nehmen“, verspricht die Gmünderin, die sich nach dem Tod ihres Mannes gezielt eine ehrenamtliche Aufgabe gesucht hat. Wir sind ein gutes Team“, unterstreicht Karola Schneck mit einem Lächeln. Man könnte auch anders formulieren: Soziales Engagement (Karola Schneck) trifft Technik, sprich Friedhelm Kumpe.

Nach Seniorenbeirat also Generationenwegweiser. Trotz vieler Überschneidungen ist ihr, wie auch ihrem männlichen Pendant, eine Trennung der Aufgaben wichtig. Für Landrat Ben Schwarz ist die Verknüpfung der beiden Bereiche Chance und Bereicherung, schließlich läge dadurch viel Wissen und Engagement in einer Hand. „Wahrscheinlich ist es zudem einfacher und effektiver, Bedarfe zu erkennen, wenn man seine Ohren an mehreren Stellen hat“, meint er.

Wie aber wird man Generationenwegweiser? „Ein Onlinekurs“, erklärt Karola Schneck und lacht. Genau das war für sie im Vorfeld das größte Hindernis, „ich musste überredet werden“, sagt sie mit Blick auf ihren „Co“. Der war es dann auch, der ihr die technischen Sorgen nahm. Die Scheu war umsonst, inhaltlich war ebenso „alles machbar“, berichten sie. Auch der zeitliche Aufwand hielt sich mit drei Mal vier Stunden plus Vor- und Nachbetrachtung in Grenzen.

Die Gmünder betonen das deshalb, weil ihrer Meinung nach das Projekt Generationenwegweiser viel zu wenig bekannt ist. Dabei profitiert auch die Kommune, die ein ebensolches Zertifikat erhält. Die Idee, Probleme jeder Generation nicht isoliert, sondern im Austausch zu betrachten und zu lösen, hat das ehrenamtliche Duo Schneck/Kempe besonders inspiriert.

Was das Don Camillo und das Repaircafé für Friedhelm Kempe, ist das Freitagscafé (alle zwei Wochen, 9 bis 11 Uhr, im Milchhäusl) für Karola Schneck. Begonnen als gemeinsames Frühstück für junge Mütter mit kleinen Kindern, ist dieser dank ihr („ich bin halt einfach mal mit ein paar Seniorinnen hingegangen“) zu einem Generationentreffpunkt geworden. Nicht zuletzt die Begegnungen dort bestärken sie, dass ihre neue Aufgabe wichtig ist. „Und auch für mich bereichernd“, ergänzt die frühere Intensivkrankenschwester.

Wie sie hat auch Friedhelm Kempe schon ein konkretes Projekt als Generationenwegweiser im Auge. Er weiß um alte PCs, die in der Schule ein tristes Dasein fristen. „Da ließe sich gut ein Aktionsnachmittag draus machen“, überlegt er. Motto: Senioren und Jugendliche versuchen gemeinsam, die (wieder) zum Laufen zu bringen oder upzudaten oder „was auch immer“.

Der Gedanke, dass Generationen voneinander profitieren, gefällt Landrat Schwarz. Er ist überzeugt: Würde das Miteinander konsequent(er) verfolgt werden, stellten sich manche Probleme gar nicht oder ließen sich leichter lösen. Entsprechend dankbar ist er „seinen“ ersten beiden Generationenwegweisern im Landkreis, „denen gerne viele folgen dürfen“.

 Gut zu wissen: Das Projekt „GenerationenWegweiser*innen“ ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Bundeszentrale für politische Bildung zur Förderung generationsübergreifender Projekte. Georgensgmünd ist aktuell die einzige Kommune in Mittelfranken, die GenerationenWegweiser in ihren Reihen hat. Über die Gemeinde, Telefon (09172) 7030 wird Kontakt vermittelt. Wer sich im Landkreis grundsätzlich für ein ehrenamtliches Engagement interessiert, ist im Landratsamt bei füreinander an der richtigen Adresse.

Das Interview als Video (YouTube.com)

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