
Internationale Win-Win-Situation
Was Sprachkurse und Jobpaten so besonders machen – und warum neue Gesichter genau jetzt gebraucht werden
Stand: 19.07.2026
Sprache und Arbeit sind entscheidende Faktoren, damit Integration gelingen kann. Genau deshalb legt sich das Haus International in Roth auf diesen beiden Feldern unglaublich ins Zeug. Allerdings braucht es dafür Ehrenamtliche. Um die zu finden, hat uns das Team eingeladen, einmal vorbeizuschauen – und mit einem großen Wunsch verabschiedet.
„Ganz dringend“ werden zum neuen Ausbildungsjahr sogenannte Jobpaten gesucht, verdeutlicht Sophia Hoch und rührt gleichsam die Werbetrommel. Was nämlich eindeutig für dieses Engagement spricht: Es ist punktuell, keine zeitliche Mammutaufgabe und erfordert keine „Wahnsinnsqualifikation“. Auf der Haben-Seite winkt dafür das Gefühl, einem (meist jungen) Menschen geholfen zu haben – und im Idealfall das Erfolgserlebnis Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag.
Jobpaten unterstützen bei der Arbeits- oder Ausbildungssuche. Das reicht vom gemeinsamen Erstellen der Bewerbungsunterlagen – in manchen Ländern sind Lebensläufe nicht üblich, manchmal ist der in der Heimat erlernte Beruf nicht übersetzbar – bis hin zur „richtigen“ Kleidung oder Tipps für die angemessene Begrüßung. „Wir setzen auf 1:1-Betreuung“, erklärt Sophia Hoch. Genau diese individuelle Hilfe mache das Ehrenamt als solches attraktiv, ist sie überzeugt. „Weil sich ja immer nur zwei absprechen müssen, das kann an einem Mittwoch um 19 Uhr oder einem Samstag sein, wie es eben passt.“ So sehr langfristiges Engagement gewünscht wäre, so sehr ist das Haus International-Team über Kurzzeit-Einsätze froh. „Wir finden für jeden etwas, der sich einbringen möchte“, ermuntert ihre Kollegin Aline Liebenberg.
Ein Satz, den sie auch zu Jutta Zimmer, eine der Ehrenamtlichen, gesagt hat. Die hatte eines Tages festgestellt: „Nur Rente, das war mir zu wenig“, erzählt sie im Rückblick. Dann stolperte sie auf der Suche, „Was kannst‘n noch machen?“, über die Sprachvermittlung. Zwar dachte sie, „naja, ich kann ja nicht Arabisch“, rief aber dennoch bei Aline Liebenberg an. „Sie war sofort total sympathisch und hat mir Mut gemacht.“ Zimmer beschloss, es „einfach mal zu probieren“. Einer kurzen Schulung an einem Samstag vor knapp drei Jahren folgte der erste Einsatz. „Es macht immer noch Spaß.“
Vor allem Frauen hätten Unterstützungsbedarf bei der Arbeitssuche, weiß Sophia Hoch, die sich folglich explizit über weibliche Jobpaten freuen würde – wobei natürlich auch Männer sehr willkommen sind. Was nicht zu unterschätzen ist: Oft sind Menschen in ihren Heimatländern hoch qualifiziert, ihre Abschlüsse werden in Deutschland nicht anerkannt. „Das kann frustrierend und demotivierend sein.“
Das hat auch Jutta Zimmer schon erfahren. Die ist für Sophia Hoch und ihre Aline Liebenberg eine „Bereicherung in doppelter Hinsicht“, gibt sie doch sowohl Sprachkurse als auch Bewerbungstipps. Zugute kommt ihr dabei ihre langjährige Tätigkeit im Prüfungsausschuss der IHK. Die Finanzfachfrau kann von einem „besonderen Erfolgserlebnis“ berichten: Eine junge Frau aus dem Iran, Mitte 30, ergatterte nicht zuletzt dank ihrer Hilfe einen Ausbildungsplatz bei einem Kieferorthopäden.
Auch in Sachen Sprache gibt es immer wieder Positives und somit Motivierendes. Wenn Schützlinge den B1-Test bestehen, der Voraussetzung für die Einbürgerung ist. Aktuell unterrichtet Jutta Zimmer vier Frauen, darunter Sonja Garcia de Araujo Körner und Annette Novik. „Beide machen sich sehr gut“, attestiert die Lehrerin. Ihre Schützlinge sind von der Umgebung, der Ruhe im Haus International und der intensiven Betreuung begeistert.
Eine Rückmeldung, die Aline Liebenberg und Sophia Hoch häufiger bekommen. Oft gerade von Frauen, die etwas schüchterner sind und sich deshalb in größeren Lerngruppen schwer(er) tun und in Regel-Deutschkursen nicht mithalten können. „Wir haben auch Teilnehmer, die noch nie in einer Schule waren“, sensibilisiert Sophia Hoch. Entsprechend bunt gemischt sind die Kurse, die Frauen und Männer, die sie besuchen, kommen sprichwörtlich aus aller Herren Länder. Sonia etwa aus Brasilien, Annette aus der Ukraine.
Mit den Kursen – jeweils zwei Schulstunden – hört das Angebot in den Räumen am Kugelbühlplatz aber nicht auf. Es gibt Sprachcafés, Hausaufgaben- und Lernhilfen, kulinarisch-kulturelle „Weltreisen ins Wohnzimmer“ und Goldstückchen-Workshops. In denen geben Zugewanderte ihre Talente und Fähigkeiten an andere weiter. Die Sprachcafés finden Montag um 16.30 Uhr und Mittwoch um 9 Uhr statt, Freitag gibt es das Angebot ab 9.30 Uhr im HörKaffee Hilpoltstein.
Neben Jobpaten könnte das Haus international auch weitere Sprachlehrer gut brauchen. Einzig Offenheit und Geduld sollte man mitbringen, meint Sophia Hoch. Was man dafür aber zurückbekommt ist vor allem eines: ein gutes Gefühl.
Wer sich ein Engagement als Jobpate oder Sprachvermittler vorstellen kann, möchte sich bitte bei der Für einander, Ehrenamt und Senioren, im Landratsamt melden (Kontakt untenstehend).
