
Brandheiße Neuheiten
Die Firma Kirschner stellte Landrat, Bürgermeister und Feuerwehrlern ein innovatives Löschsystem vor
Stand: 09.08.2026
Aus Euerwang in die Welt oder „lokal trifft global“- beides passt bestens zur Firma Kirschner. Schließlich wird in einer Halle ein Schlepper repariert, in der nächsten warten Teile für Rolls-Royce oder BMW auf Weiterverarbeitung oder Verfeinerung. Ein paar Schritte weiter finden sich Präzisionsteile für Schokoladen-Herstellung. Und nun auch noch etwas, das eine Revolution auslösen könnte: Ein Löschsystem, das einen einmaligen Ansatz verfolgt. Einen, der die Feuerwehrführung und auch Landrat Ben Schwarz bei einem Besuch beeindruckt hat.
Dass das Thema Lithium-Ionen-Batterien – sei es für Elektrofahrräder oder Akku-Werkzeuge – und deren Brandgefahr immer präsenter werde, musste keinem der Gäste erklärt werden. Umso interessanter war es, was der Gredinger Familienbetrieb vor geraumer Zeit entwickelt hat und was sich nun langsam, aber sicher, am Markt etabliert: „Wir löschen, während andere Systeme den Brand nur verschlossen halten“. Und das zudem meist nur für 90 Minuten, der Mindestanforderung. „Dann hat die Feuerwehr das Problem an der Backe“.
Genau aus diesem Grund begleiteten Kreisbrandrat (KBR) Christian Mederer und die örtlich zuständigen Kreisbrandinspektoren Christian Schneider und -meister Emanuel Löchl Landrat Schwarz. Schließlich sind sie es, die mit den gefährlichen und mehr werdenden Bränden von Lithium-Ionen-Batterien konfrontiert sind. Nicht selten bedeutet das aktuell, dass sie auf bis zu 1200 Grad erhitzte Behälter (die bisherigen Standards) ins Freie bringen müssen. „Riskant für die Retter“, sensibilisiert Christian Mederer.
Genau da setzen die Fire-Ex-Produkte der Firma Kirschner an. Ein im Brandfall freigesetztes Löschgranulat, das auf Blähglas basiert, erstickt das Feuer. Nach Abkühlen kann „Alles“ im Restmüll entsorgt werden. Neben dem Granulat als solchem in Kissen und in verschiedenen Größen von haushaltstauglichen 600 Gramm bis zu 16 Kilo gibt es Boxen, die den sicheren Transport oder die Lagerung von defekten Akkus oder Geräten ermöglichen. Ganz neu sind Schränke für Lagerung und – weitergedacht – den Ladevorgang. Sollte sich ein eingelagertes Teil erhitzen, wird nur dieses gelöscht. Maximale Wirkung bei minimalem Eingriff also.
Praktisch funktioniert das durch einen Folien-Beutel, der sich bei 90 Grad automatisch öffnet, so dass das Löschgranulat rausfällt. Geschäftsführer Roman König zählt weitere Vorteile auf: Schäden durch Löschwasser blieben aus, weil Blähglas-Granulate schmelzen, verkapseln und so den Brandherd binden. Alles, was nicht verklebt, könne weiter benutzt werden, was den Schaden eingrenzt. Zudem würde Sondermüll vermieden. „Das ist ein echter Mehrwert“, streicht Bürgermeister Josef Dintner heraus. Der schaute erst vor gut einem halben Jahr hinter die Kulissen der Maschinen- und Metallbau GmbH und war erstaunt, was sich in der Zwischenzeit an Innovation getan hat.
Wie nah die Firma Kirschner an der Praxis ist, zeigt sich bestens an und mit einer anderen Weiterentwicklung. Nachdem sich gerade Lade-Stationen und Speicher gerne im Keller befinden, stand eine Überlegung im Raum: Könnte man nicht das Löschgranulat einblasen? Kann man. „Bis zu 30 Metern weit“, erklären die Entwickler. Was den Einsatz des Systems zum Beispiel auch bei einem E-Auto, das in einer schwer zugänglichen Tiefgarage Feuer fängt, interessant macht – und die Feuerwehr um Christian Mederer aufhorchen lässt.
Interessant ist das System bei weitem nicht nur für Industrie und Firmen. Lithium-Ionen-Batterien finden sich in Smartwatches, Babyfonen, Tablets oder auch Kinderspielzeug. Diese sicher aufzubewahren, zu transportieren und im Ernstfall sicher zu löschen, sollte eigentlich jedermanns Ansinnen sein, meinen die Kirschner-Verantwortlichen. Einen Gedanken, den Landrat Schwarz gerne untermauert.
Für die Entwicklung der Löschsysteme haben die Euerwanger, allen voran Senior Willi, eine Menge Zeit und Hirnschmalz investiert. Mit einem Ergebnis, das sie selbstbewusst mit der Notiz „gibt es so noch nicht auf dem Markt“ präsentieren. Klein, kompakt, preislich attraktiv, kaum Wartungsaufwand und werteschonend, fasst Roman König zusammen.
Wenn auch ein kürzlicher Messeauftritt Bekanntheit und Nachfrage nach Extover-Produkten (so der Markenname) hat steigen lassen, sind sie für den von Willi Kirschner 1987 gegründeten Familienbetrieb eine Nische – noch. „Das Tagesgeschäft muss ja laufen“, betont Franziska König, Tochter und ebenso Geschäftsführerin.
„Normal“ - das ist für das Unternehmen mit seinen rund 80 Mitarbeitern vor allem Sondermaschinenbau und Zerspannungstechnik. „Sehr sympathisch“, lobten die Gäste, dass an der Reparatur von Landmaschinen, mit der alles begann, nach wie vor festgehalten wird. „Ohne Begrenzung auf Marken oder Baujahre“, wie Willi Kirschner stolz anmerkt.
Wie breit aufgestellt der Betrieb ist, zeigt sich an den Industriezweigen, die er bedient und die von der Natursteinbearbeitung über Automobil bis Lebensmittel reichen. Auch die Kundenliste liest sich wie ein „Who is who“: Rolls Royce, Siemens, Rheinmetall, BMW…
Wie es denn mit der Suche nach Mitarbeitern aussehe, möchte Ben Schwarz wissen. „Gut“, sagen die Chefs übereinstimmend. Was nicht zuletzt am Ein-Schicht-System liegt, glaubt Geschäftsführerin Franziska König. „Das spricht für uns und ist ein gutes Argument für Interessenten.“ Bei den Kunden punktet Kirschner vor allem in der Kombination Speziallösungen und Schnelligkeit.
Die Feuerlöschsysteme werden in Kleinserie hergestellt, die Prototypen für immer neue Tests verwendet. Bewusst „dürfen“ dabei alle Stoffe durchreagieren. Was im Ernstfall gefährlich ist, hilft den Entwicklern, die Systeme noch besser zu machen, verstehen sie dann doch, was passiert und können besser oder zielgerichteter eingreifen.
„Wir sind zwar am Ende des Landkreises, aber lange nicht am Ende der Welt“, beschreibt Willi Kirschner, der einst als Landmaschinenmechaniker-Meister begann, humorvoll die Lage „seines“ Unternehmens. Für das im Übrigen das Gleiche gelte wie für eine Feuerwehr. „Es geht nur miteinander, einer alleine schafft nix.“
Die Firma Kirschner als großer Mittelständler in einem kleinen Ort ist im Landkreis keine Seltenheit, weiß Ben Schwarz. Immer wieder sei er von Können, Qualität und Stellenwert beeindruckt. „Unternehmer wie Sie sind das Rückgrat unserer regionalen Wirtschaft.“