
Klimaanpassung: Kein Sprint, ein Marathon
Auftaktworkshop bringt Kommunen, Fachbehörden und Organisationen zusammen und liefert erste konkrete Ergebnisse
Stand: 22.07.2026
Die vergangenen Wochen mit anhaltender Hitze, ausgetrockneten Böden, lokalen Waldbrände und Starkregenereignissen haben wieder deutlich gemacht: Die Folgen des Klimawandels sind längst auch im Landkreis Roth angekommen. Aber wie können sich Städte und Gemeinden vorbereiten? Welche Herausforderungen zeichnen sich ab und welche Maßnahmen sind künftig notwendig? Diesen Fragen ging eine ganz besonders zusammengesetzte große Gruppe nach.
Auf Einladung des Landratsamtes beschäftigten sich rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Fachbehörden, Hilfsorganisationen, Verbänden und der Behörde selbst beim Auftaktworkshop zur Klimaanpassung mit dieser Herausforderung. „Die große Resonanz auf den Termin unterstreicht die hohe Bedeutung des Themas und das Interesse dafür“, stellte Klimaschutzmanagerin und Organisatorin Lena Lang bei der Eröffnung erfreut fest.
Landrat Ben Schwarz pflichtete dem uneingeschränkt bei. Er betonte, dass Klimaanpassung eine absolute Querschnitts- und Gemeinschaftsaufgabe sei. „Nur wenn wir die Erfahrungen und das Fachwissen der unterschiedlichsten Akteure zusammenführen, können wir tragfähige Lösungen für unseren Landkreis entwickeln. Genau deshalb ist dieser Austausch heute und in Zukunft so wichtig.“ Der Landrat zeigte sich überzeugt, dass es nicht an der Erkenntnis, sondern an der Umsetzung mangele.
Er sah es als hervorragendes Zeichen an, dass sich ein breites Spektrum an Akteuren zur Mitarbeit bereit erklärt hatte, weil die Außenwirkung helfen werde, die Brisanz des Themas darzustellen. „Das ist unsere Verantwortung.“ Schwarz sensibilisierte: Es gehe nicht nur ums Wetter, sondern um (Trink)Wasser, Landwirtschaft und nicht zuletzt den sozialen Bereich, Stichworte Hitzeschutz für Ältere oder Anforderungen an Schulgebäude. Sein Fazit: „Der Klimawandel ist angekommen, wir müssen reagieren.“
Die Veranstaltung markiert den Start eines gemeinsamen Prozesses zur Erarbeitung einer Klimaanpassungsstrategie für den Landkreis. Ziel ist es, die Auswirkungen des Klimawandels frühzeitig zu erkennen, Risiken zu minimieren und den Landkreis langfristig widerstandsfähig gegenüber den Folgen von Hitze, Trockenheit, Starkregen und weiteren Extremwetterereignissen zu machen.
Dem Workshop vorausgegangen war eine umfassende Befragung der Kommunen. Dabei wurden bereits umgesetzte Maßnahmen, wahrgenommene Klimafolgen sowie Unterstützungsbedarfe erfasst. Die Ergebnisse – elf der 16 Landkreisgemeinden meldeten sich zurück - zeigten deutlich, dass Themen wie Trockenheit, Wasserverfügbarkeit, Starkregen, Sorge um Wald und Landwirtschaft sowie Angst vor Schäden nahezu alle Städte und Gemeinden beschäftigen.
Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die anschließende Arbeit in vier thematischen Arbeitsgruppen zu den Bereichen Grüne Infrastruktur (Natur, Landwirtschaft, Forst), Blaue Infrastruktur (Starkregen, Hoch- und Niedrigwasser, Wasserversorgung), Graue Infrastruktur (Planen und Bauen, Siedlungsentwicklung und technische Infrastruktur) sowie Soziale Infrastruktur (Prävention, Gesundheit, Katastrophen- und Bevölkerungsschutz).
Die fachliche Einführung oblag Carla May vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), die aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Klimaanpassung in Bayern aufzeigte. Sie belegte, dass Hitzetage zunehmen, Jahresmitteltemperaturen steigen, die Sommer immer trockener würden und auch die Zahl der Schneedeckentage rückläufig sein. „Es ist ein deutlicher Erwärmungstrend erkennbar“, bilanzierte die Fachfrau, die sich „überrascht und begeistert“ zeigte von Anzahl und Kompetenz der Teilnehmer.
Durch den Workshop führten Jana Lange und Vera Engelmann vom Zentrum KlimaAnpassung. Sie begannen mit einem Kompliment: „Schön, dass Sie sich auf den Weg gemacht haben!“ Möglich machte die ganztägige Veranstaltung nicht zuletzt durch die Unterstützung des Regionalmanagements im Landratsamt mit Managerin Amelie Roder an der Spitze.
In moderierten Arbeitsphasen identifizierten die Teilnehmenden zunächst klimabedingte Betroffenheiten in den Orten und sammelten, diskutierten dann Handlungsansätze für die zukünftige Ausrichtung eines zukunftsfähigen und klimaresilienten Landkreises. Stets waren dabei „Best-Practice-Beispiele“ im Fokus, übersetzt: gute Ideen aus der einen Gemeinde in die andere tragen.
Vertreten waren unter anderem Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Stadtbaumeister, das Wasserwirtschaftsamt, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das Bayerische Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, der Bauernverband, der Bund Naturschutz sowie zahlreiche Fachstellen des Landratsamtes und politische Vertreter des Kreistages.
In allen vier Arbeitsgruppen wurden konkrete Handlungsansätze erarbeitet. Auffällig war, dass einige Maßnahmen unabhängig vom jeweiligen Themenfeld immer wieder genannt wurden. So wurde die Entsieglung von Flächen mit einer besonders hohen Priorität versehen. Diese identifizierten drei der vier Arbeitsgruppen als wichtigen Baustein einer klimaresilienten Entwicklung. Entsiegelte Flächen fördern die Versickerung von Regenwasser, tragen zur Grundwasserneubildung bei, entlasten die Kanalisation bei Starkregen, verbessern den Bodenschutz, reduzieren die sommerliche Aufheizung und schaffen zugleich Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Ebenso deutlich wurde der Wunsch nach einer stärkeren Vernetzung der Akteure, einem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch sowie Informationen über Förderprogramme und erfolgreiche Praxisbeispiele.
Besonders positiv wurde die offene und konstruktive Zusammenarbeit der Teilnehmenden aufgenommen. Trotz unterschiedlicher fachlicher Perspektiven stand ein gemeinsames Ziel klar im Fokus: den Landkreis möglichst rasch und möglichst effizient auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Erste konkrete Ergebnisse inklusive. Die zahlreichen Ideen, Hinweise und Erfahrungen werden nun ausgewertet und fließen in die Erarbeitung einer Klimaanpassungsstrategie ein.
Wie wichtig Information und Vernetzung sind, zeigt ein aktuelles Beispiel. Durch die Klimaschutzstelle wurden die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister über das neue Förderprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ informiert. Die Marktgemeinde Schwanstetten hat daraufhin einen Antrag über rund 500 000 Euro für einen klimaangepassten Rathausplatz gestellt. Vorgesehen sind unter anderem Entsiegelungsmaßnahmen, Begrünungen, Beschattungselemente und ein Wasserspielplatz.
„Der Workshop war für uns kein Abschluss, sondern der Startschuss eines gemeinsamen Weges. Heute haben wir viel Erfahrung, Fachwissen und zahlreiche Ideen in unseren Rucksack packen können. Die große Beteiligung und das Engagement aller Teilnehmer haben gezeigt, dass wir im Landkreis Roth bereit sind, die Herausforderungen der Klimaanpassung gemeinsam anzugehen.“, fasste Lang am Ende eines produktiven Tages zusammen. " Nun gelte es, die gemeinsam erarbeiteten Ideen Schritt für Schritt in die Praxis zu bringen. An Visionen und Motivation fehlt es seit diesem Tag sicher nicht.