Rohr Royal

Mit Luisa und Theresa Winkler hatte Landrat Ben Schwarz gleich zwei Königinnen aus Gustenfelden zu Gast – Getreide und Äpfel im Fokus
Stand: 16.08.2026

Gleicher Nachname, gleicher Titel, gleicher Wohnort, gleiches Feuer… Der Besuch von Luisa und Theresa Winkler bei Ben Schwarz ist aus vielerlei Gründen etwas Besonderes. Zumal es eher selten vorkommt, dass sich royaler Glanz in den Fluren breit macht. Den versprühten die Mehl- und Apfelkönigin zweifelsohne, und nicht nur den hatten sie aus Rohr mitgebracht.

Die zwei Königinnen brennen für die Produkte, für die sie stehen. „Das ist sofort zu spüren“, stellt Landrat Schwarz fest. Und sie schauen über den eigenen Tellerrand hinaus. „Natürlich geht es bei uns beiden zunächst um Getreide und Obst. Wir wollen aber alle regionalen Lebensmittel stärken und In-Wert-setzen“, betonen die jungen Frauen. Sie sehen sich daher stellvertretend für viele Erzeuger.

Noch eine Gemeinsamkeit: Beide sind in den elterlichen Betrieb eingestiegen, Luisa Winkler als fünfte Generation und erste Müllermeisterin der Familie. Das ist zusätzlich bemerkenswert, weil der Beruf durchaus mit körperlichen Anstrengungen verbunden ist. Kurzzeitig hat die 25-Jährige nach dem Abitur mit einem Lehramtstudium geliebäugelt, aber dann war die Liebe zu dem alten Handwerk doch größer. Schon als kleines Mädchen hat sie Papa Stefan gerne geholfen.

Theresa Winkler schwärmt gleichermaßen von ihrer Kindheit. Ihr hat es der Apfelanbau angetan, den sie beruflich allerdings von einer anderen Seite angeht. Die 24-Jährige hat ein Studium der Ernährungswissenschaften abgeschlossen und setzt mit „Public Health“ – zu übersetzen etwa mit Gesundheitswissenschaften - an der Charité in Berlin gerade noch eines drauf. Später möchte sie ihr Steckenpferd gesunde Ernährung mit regionalen Produkten kombinieren und in die Praxis bringen. Schon jetzt führt sie mit großer Begeisterung Kindergärten und Schulklassen über den Hof. Nicht selten kommt es vor, dass die Kleinen Wochen später mit Mama, Papa oder den Großeltern im Laden auftauchen und sie wiedererkennen. „Das sind wunderbare Momente.“ Manchmal bekommt sie zudem selbstgemalte Bilder geschenkt, „die alle einen besonderen Platz bekommen“.

Weniger schön– und da ist sie sich mit ihrer sehr weitläufig verwandten Kollegin einig – ist, dass viele Jungen und Mädchen weder Obstanbau kaum etwas wissen, noch, aus was Mehl hergestellt wird. „Dabei haben wir doch damit täglich zu tun“, sagt Luisa Winkler schulterhebend. Pizza, Brot, Nudeln, Pfannkuchen… „Umso wichtiger ist das, was ihr tut“, bestärkt sie Ben Schwarz. Um gleich nachzuschieben: „Ihr seid beste Botschafterinnen für den ländlichen Raum und dass es sich hier gut leben lässt.“

Auch Luisa bietet Führungen an. Ganz bewusst versucht sie, Kindern einen Einblick mit allen Sinnen zu geben. Anfassen, riechen, hören. Sie zeigt das alte Mühlrad und erklärt ihren Beruf, einen der ältesten der Welt. Ganz wichtig ist der Hinweis, dass in der 1316 erstmals erwähnten Mühle ausschließlich Getreide – Weizen, Dinkel, Roggen, Emmer – von Landwirten aus der Region verarbeitet wird. In etwa dem gleichen Radius verkaufen die Winklers dann auch ihr Mehl. Für Landrat Schwarz „lokale Kreisläufe par excellence“.

Das Königinnen-Amt ist für sie Ehre und Verpflichtung zugleich, schließlich „möchten wir auf das Produkt, das wir repräsentieren, möglichst gut aufmerksam machen“: Immer mit dem Zusatz „original regional“. Das läuft bei vielen Veranstaltungen sehr gut, allerdings würde sich Theresa Winkler oft mehr Tiefgang in Gesprächen und bei Nachfragen wünschen. Das kann Landrat Schwarz gut nachvollziehen. „Ihr steht ja für Etwas und das ist mehr als ein schickes Kleid, eine Krone und eine Schärpe.“ Es gehe um Nachhaltigkeit und die Weitergabe einer wichtigen Botschaft.

Gelegenheit dazu bieten Messen, Betriebsfeiern, aber auch repräsentative Termine wie der Sommerempfang der Landtagspräsidentin. Bewerben mussten sich die beiden jungen Frauen übrigens nicht. Sie wurden gefragt. Lange Bedenkzeit brauchten sie nicht. Da gerade die Apfelkönigin viel in Kindergärten und Schulen unterwegs ist, drängte sich die Aufgabe für Theresa Winkler geradezu auf. „Für mich ist es schön, dem fränkischen Apfel ein Gesicht zu geben“, sagt sie. Es sei bereichernd, Menschen für das wertvolle Lebensmittel zu begeistern.

Gleiches gilt für Luisa Winkler, die Mehl als Grundnahrungsmittel den gebührenden Stellenwert (wieder) verschaffen will. Deutschlandweit gibt es weniger als 200 Mühlen, die mehr als 100 Tonnen produzieren – in etwa das, was die Gustenfeldener schaffen. 1950 waren es noch rund 19 000. „Ich möchte, dass es weiter geht“, beteuert die 25-Jährige. Der Schritt ins Müllerinnen-Dasein ist ihr nicht zuletzt leicht gefallen, weil sie ihre Heimat nicht verlassen musste. „Für mich eigentlich nicht vorstellbar“, sagt sie warmherzig.

Gustenfelden. Das ist mehr als das Dorf, in dem beide Winkler-Höfe zu Hause sind. Das ist eine Gemeinschaft und ein Miteinander, ein Austausch. „Wegen einem Kilo Mehl würde wohl keiner herfahren“, formuliert es Luisa Winkler. Aber dann noch Obst mitnehmen, die Molkerei besuchen, Kürbiskernöl kaufen und im Mühlencafé Selbstgebackenes genießen – das Gesamtkonzept geht auf, die Direktvermarkter profitieren voneinander.

Springen wir noch einmal zurück zu den Schul- und Kindergartenkindern. Die sind nämlich manchmal doch überrascht, dass die Königinnen gar nicht in einem Schloss wohnen. Doch auch diesen vermeintlichen Widerspruch können Theresa und Luisa Winkler mit einem bezaubernden Lächeln aufklären. Ein Hof kann auch ein Schloss sein.

Das Interview als Video (YouTube.com)

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