Kümmern und Klettern

Jonas Scheffler-Fober ist einer von drei Baumpflegern des Landkreises – Ein in vielfacher Hinsicht herausfordernder Beruf

Bei dem Gedanken an sein Berufsbild dürfte so manchem schwindelig und mulmig werden. Meterhoch in einem Baum, noch dazu ausgestattet mit Säge und einem klaren Auftrag. Wobei der, genauso wie die Tätigkeit von Jonas Scheffler-Fober als solcher, viel mit Gleichgewicht und Ausbalancieren zu tun hat. Warum genau, wollte Landrat Ben Schwarz von seinem Mitarbeiter wissen.

Wenn Jonas Scheffler-Fober und seine Gärtner-Kollegen an Bäume Hand anlegen (müssen), fällt oft zugleich das Wort Verkehrssicherungspflicht. Die hat der Landkreis nämlich für rund 212 000 Kilometer Straßen und damit etwa 10 000 Bäume, hinzu kommen etwa 4000 im Hochbau (Schulen, Ämter) und 280 Einzelbäume, die als Naturdenkmäler geschützt sind und gleichermaßen gepflegt werden müssen.

Da schlägt die erste Gratwanderung durch: Sicherheit aller gegen Baumwohl, schließlich stellt jeder Schnitt stellt eine Wunde dar. Deswegen tut der Griff zur Motorsäge dem gelernten Gärtner nicht selten weh. Was ihn tröstet: Oft wäre Fällen die Alternativ zum Rückschnitt, „so bleibt wenigstens der Baum erhalten“.

Im Idealfall (für den Menschen) behalten die großen Holzgewächse nach dem Einsatz ihre Optik und ihr Kronenbild. „Der Baum würde manchmal vielleicht gerne anders wachsen“, meint Scheffler-Fober nachdenklich. Über der steht aber die Statik, für die sich die Fachleute üblicherweise von der Spitze an die Arbeit machen. Sie definieren einen neuen Leittrieb, dem dann alle anderen, tieferliegenden Äste untergeordnet werden.

Den Großteil der Schnittmaßnahmen im Landkreis führen er und seine Kollegen vom Hubsteiger aus aus. „Aus Kapazitätsgründen“, erklärt er. Klettern sei einfach viel zeitaufwendiger. „ist aber natürlich schöner und macht mehr Freude“, schiebt er mit einem Lächeln nach. Jonas Scheffler-Fober liebt seine Arbeit, die ja nicht nur Schneiden, sondern ganz oft auch Pflanzen beinhaltet. Und – vielfach unterschätzt – Baumpflege im direkten Sinn des Wortes. Dazu zählen beispielsweise Standortverbesserungen wie das Einbringen wertvoller Bodenstoffe. „Das kommt den Pflanzen direkt zu Gute“, streicht er einen schönen Aspekt seiner Tätigkeiten heraus.

Zu denen zählt auch, zu sehen, wie besondere Riesen erhalten werden. Scheffler-Fober nennt die Schnittlinger Eiche, die 2023 um 30 Prozent eingekürzt wurde. Eine „hochwertvolle Maßnahme“, findet er, um dem 450 Jahren Zeitzeugen vor allem aus statischer Sicht eine bessere Zukunftsperspektive zu geben.

Ob das Klettern denn nicht gefährlich sei? Der Familienvater schüttelt energisch den Kopf. „Nicht, wenn man sich an die Sicherheitsbestimmungen hält.“ Und zwar nicht nur im Baum, sondern vorab. Jeder Maßnahme geht eine Gefährdungsermittlung voraus, praktisch eine Beurteilung. Die sagt den Fachleuten dann, was geht – und wie hoch hinaus. 35 Meter können das bei einer gesunden Eiche schon sein, lächelt der 36-Jährige.

Die Jahreszeiten geben im Wesentlichen den Arbeitsrhythmus der Gärtner vor, erzählt der dreifache Vater dem Landrat. Im Winter ist Fällsaison und damit Zeit für planbare Verkehrssicherungsmaßnahmen, im Frühjahr stehen Bewässerung und Mäharbeiten im Mittelpunkt, Heckenschnitte bilden den Schwerpunkt im Sommer, der Herbst steht im Zeichen ökologischer Pflege. „Ein Kreislauf“.

Elf landkreiseigene Gärtner, unter ihnen drei Baumpfleger, klingt erst einmal nach viel. Ben Schwarz ordnet das selbst ein. „Wenn man bedenkt, wie viele Liegenschaften von Schulen über Amtsgebäude bis Straßen wir betreuen, relativiert sich das.“ Einer der schönsten Einsatzorte liegt dabei im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür. „Der Weinberg ist wunderschön, ein echtes Idyll“, unterstreicht der Landrat, „auch dank Eurer Anstrengungen“.

Das wird nicht immer so gesehen, weist Jonas Scheffler-Fober auf den seiner Meinung nach einzig ins Gewicht fallenden Wehmutstropfen hin. Mitunter würde man beim Griff zur Motorsäge schon angegangen, berichtet er. Komme ein Gespräch zustande, seien die Menschen dann aber oft einsichtig. Weitere häufige Erkenntnis: Vielen sei nicht bewusst, welche Gefahren von Bäumen, auch im Privatgarten, ausgehen können.

„Und wir müssen unsere Verkehrssicherungspflichten ernst nehmen und darauf achten, dass niemand gefährdet wird“, ergänzte Landrat Schwarz. Der hörte mit Interesse, dass die Fachleute sich gerne auch kritische Bäume anschauen und beraten. Vor allem dann, wenn ein unreflektiertes Umlegen der „Plan“ der Eigentümer ist. „Wenn möglich, versuchen wir, jeden Baum zu erhalten“, nennt Scheffler-Fober das Mantra. Dazu zählt auch, wie Ben Schwarz aus seiner Praxis berichtet, dass ein Radweg mitunter um eine wertvolle Pflanze herum gebaut wird.

Der Landkreis weist eine für Bayern vergleichsweise hohe Zahl an Naturdenkmälern auf, weiß der Gärtner. Folglich nimmt die Kontrolle der 280 Naturdenkmäler viel Zeit in Anspruch. 280 sind es an der Zahl, wenngleich die Allee in Dürrenmungenau eine Häufung darstellt. Drei der alten Riesen haben die Rother für den Titel Nationalerbe vorgeschlagen, „mal sehen“.

Ein weniger gutes Erbe stellt Jonas Scheffler-Fober dem ökologischen Gewissen seiner Mitbürger aus. „Das war schon mal ausgeprägter“, schildert er seinen Eindruck und benennt speziell die Jahre 2015 bis 20 mit der Diskussion um Artenschutz und dem „Mehr zur Natur“ während der Pandemie. Da dürfe sich wieder was tun, wünscht sich der Familienvater, schließlich „atmen wir alle Sauerstoff“.

Er selbst jedenfalls kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen, verrät er lächelnd. Dieser sei abwechslungsreich, auch in körperlicher Hinsicht, zudem schaffe man etwas Nachhaltiges. „Du strahlst diese Motivation aus“, bescheinigte ihm Ben Schwarz.

Die Werbetrommel rühren sie folglich gerne gemeinsam. „Wir bilden schließlich selber aus.“ Mehr noch: Die Gärtner sind seit vielen Jahren eine feste Größe beim Girls‘/Boys‘-Day und tragen so zum positiven Image bei. Neben „action“ wie Pflanz- oder Pflegeaktionen geht es den Protagonisten an diesem Tag wie an jedem anderen darum, Naturbewusstsein zu schaffen und die Umwelt mit kleinen Schritten ein wenig besser zu machen – einen Beitrag, den im Übrigen jeder leisten können. Das eintägige Hineinschnuppern ins Gärtner-Dasein werde jedenfalls stets rege und begeistert angenommen, berichtet Jonas Scheffler-Fober. Kein Wunder bei Menschen wie ihm, die für ihre Aufgabe „brennen“. Zumal, wenn sie einen hoch hinaus bringt.  

Das Interview als Video (YouTube.com)

Presseanfragen

Anschrift

Weinbergweg 1
91154 Roth