
Neue Farben, Alte Stärken
Die Firma Max Bringmann KG (folia) ließ Landrat Ben Schwarz hinter die Kulissen blicken und an einem spannenden Transformationsprozess teilhaben
Stand: 15.03.2026
Neue Farben, alte Stärken - oder eine Menge Mut und Weitsicht: Es gäbe diese und noch mehr Schlagwörter, die zu diesem Vormittag gepasst hätten. Denn der Besuch von Landrat Ben Schwarz und Unternehmensfabrik-Geschäftsführer Felix Lehnhoff bei folia wurde zu einer im wahrsten Sinne des Wortes „bunten Tüte“ – nicht nur wegen der riesigen Papierstapel in allen nur vorstellbaren Tönen.
Schon das Besprechungszimmer lässt die Herzen von Bastel- und Dekofreunden höherschlagen und gibt einen ersten Eindruck, welch kreative Köpfe da am Werk sind. In das bittet ein gut gelaunter Michael Bringmann seine Gäste – bildet es doch nicht nur für einen Foto-Termin einen besten Rahmen, sondern nimmt einen sofort mit in die phantasievolle folia-Welt.
Anlass für den Termin war die erstmalige Auszeichnung des Wendelsteiner Traditionsunternehmens mit der Umwelt- und Klimapakturkunde. Die hatte den Besitzer noch nicht richtig gewechselt, waren alle auch schon voll im Gespräch – und in der Philosophie der Eigentümer Familie Bringmann. Für die stellte Geschäftsführer Michael Bringmann gleich eines klar: Das Thema Nachhaltigkeit und „weg von Kunststoff“ werde nicht nur um der Kunden Willen bearbeitet oder weil es gerade „in“ ist, „wir machen das auch für uns und unsere Mitarbeiter“.
Schwarz und Lehnhoff staunten über Zahlen und Fakten, aber ebenso über den einschneidenden Imagewechsel, den die Firma mit rund 200 Mitarbeitern vor gut fünf Jahren gestartet hatte. „Wir stellen Marke und Image, und damit unser gesamte Corporate Identity auf ein komplett neues Design um, was sich nicht nur im Packaging, sondern auch im gesamten Auftritt wiederspiegelt.“, erläutert Michael Bringmann.
Und das in nicht nur allgemein, sondern auch in der Branche herausfordernden Zeiten, was Landrat Schwarz umso mehr Respekt abringt. Das zeuge von Mut, aber auch Vertrauen in die eigenen Stärken. „Der Konsum ist träge“, nannte Michael Bringmann einen Grund für die nicht einfache Gesamtsituation.
Eine Ursache ist die zurückhaltende Stimmung im Land, die Landrat Schwarz gleichermaßen ausmacht. „Wir wollen nicht jammern, aber glücklich sind wir mit den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht“, wurde Michael Bringmann deutlich, der sich mit seinen Brüdern Alexander und Markus sowie seinem Sohn Alexander junior die Geschäftsführung teilt.
Aber die Bringmanns wären nicht die Bringmanns und folia nicht folia, wenn sie nicht im Innersten positiv denken würden. „Wir hoffen, dass der Funke wieder überspringt.“ Schon einige Male hat sich das mittlerweile über 60 Jahre alte Unternehmen selbst oder in Teilen neu erfunden. Papier aus Recyclingmaterial, verschiedenste kreative Bastelsets und Produkte für alle Altersgruppen oder nachhaltige Verpackungslösungen sind das beste Beispiel.
Die Kreativabteilung sorgt auch dafür, dass jedes Jahr rund 300 Neuheiten auf den Markt kommen - bei insgesamt rund 7000 Artikeln, berichtete der Geschäftsführer mit viel Stolz. Steckenpferde sind nach wie vor Bastelbedarf in jeder Form, zum Portfolio gehören zudem Produkte in den Bereichen Papeterie, Künstler- und Bürobedarf, sowie Schenken, Party, Decor, Farben uvm.
Die Wendelsteiner Erfolgsgeschichte begann 1960 mit einer Idee vom Gründer und Vater der Brüder, Max Bringmann: Alufolie wäre doch nicht nur was für die Küche, sondern auch für Bastelfreunde. Der Markenname folia leitet sich vom lateinischen Wort „folia“ ab, was Blätter bedeutet. Heute ist folia in vielen Bereichen europäischer Marktführer. 1997/98 siedelte die Firma in den Wendelsteiner Gewerbepark um, nach einer Erweiterung 2013 umfasst die Produktions- und Lagerfläche mittlerweile rund 30 000 Quadratmeter. Positive Signale gibt es in Richtung Fortbestand des Unternehmens in Familienhand. „Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern“, sagte CEO Bringmann zufrieden.
Zwar mag der „Blaue Engel“ das bekannteste Umweltsiegel sein, folia hat aber mehr vorzuweisen. Zudem wird viel auf recycelte Materialien gesetzt. Die Philosophie zeigt sich nicht nur an der „Ladentheke“, sondern auch im Firmenalltag. Beispiele sind Azubi-Projekte zu Nistkästen, Insektenhotels oder die eigene Honigproduktion. Großer Wert wird zudem auf die Reduzierung von Emissionen im Produktionsablauf gelegt.
„Die Urkunde ist das eine, die Unterhaltung das andere“, sind sich Michael Bringmann und Ben Schwarz einig, dass der Austausch wichtig(er) ist. Themen sind schnell gefunden. „Wir müssen nicht jeden Sonderfall regeln wollen, sondern Prozesse anschauen, hinterfragen und dann den Mut haben, Dinge neu zu regeln“, meinte Landrat Schwarz.
Ben Schwarz fand es beeindruckend, zu sehen, „wie Sie neue Vertriebs- und Kommunikationswege erkannt haben und gehen.“ Beim Rundgang durch die Hallen und den Begegnungen mit den Mitarbeitern fiel ihm noch etwas auf: das gute Betriebsklima.
Dabei sei Freude am Job unabdingbar, unterstrichen Bringmann und die Besucher unisono. Leider würde der Beruf bei zu vielen Menschen gerade in Deutschland mitunter bestenfalls an dritter oder vierter Stelle stehen, Arbeitszeit würde zu Unrecht als verlorene Lebenszeit gesehen. „Ich bin immer froh, auf Menschen zu treffen, die das anders sehen. Genau das scheint mir hier der Fall.“ Michael Bringmann hörte das gerne und konnte das zudem mit Fakten untermauern. „Wir haben kaum Fluktuation“, berichtete er.
Felix Lehnhoff spricht von folia voller Hochachtung als einem der „Hidden Champions“ im Landkreis. „Wirklich beeindruckend“, attestierte der Geschäftsführer der Unternehmerfabrik und meinte das allumfassend vom Gespür für nachgefragte Produkte bis zur Mitarbeiterbindung. Und natürlich bezogen auf die Kreativität, die zugleich Anspruch ist. Oder, wie es Michael Bringmann formulierte: „Wir möchten ganz einfach Menschen begeistern.“ Scheint zu gelingen – auch am Tag des Landratsbesuchs.