Von Quadraten und Kreisen

Oder: Wie es der neue „Memmert-Kreisel“ in Büchenbach schafft(e), viel mehr zu sein als die Entschärfung eines Unfallschwerpunkts
Stand: 25.10.2026

Das Quadrat, es war omnipräsent an diesem historischen Tag. Ein vermeintlicher Widerspruch, schließlich drehte sich im wahrsten Sinne des Wortes eigentlich Alles um etwas Rundes, nämlich den Memmert-Kreisel und seine feierliche Einweihung. Der schaffte es beim Festakt sogar noch in eine weitere Dimension.

Allen voran drückte Landrat Ben Schwarz allergrößte Wertschätzung aus. Er sprach von etwas „ganz, ganz Besonderem“, einzigartigen Verbindungen und einem großen Zeichen. Der neue Kreisverkehr sei möglich geworden, weil bei der Frage nach Verantwortlichkeiten nicht mit dem Finger nach oben oder unten gezeigt, sondern gemeinsam eine Lösung gesucht wurde. Herausragend war auch die Rolle der Firma Memmert, die sich in vielerlei Hinsicht aktiv einbrachte – nach außen sichtbar mit dem Kunstwerk von Sabine Mädl, das das Rondell seit gut zwei Wochen ziert.

„Das Zusammenspiel aller Beteiligten war von großem Vertrauen geprägt und einfach prima“, stellte der Landrat zufrieden fest. Das, zusammen mit der Verbundenheit des Unternehmens zum Standort, der Wertschätzung der Mitarbeiter gegenüber und der Einbeziehung von Kunst, stimme ihn positiv. „Hier und heute ist sicher ein positiver Moment und ein Gegenpol, der hoffentlich ausstrahlt.“ Im wahrsten Sinne des Wortes wurde „hier ein großer Kreis gezogen“. Ben Schwarz zog selber auch zwei. Einen zum Engagement des Unternehmens in Sachen Ehrenamt und Sport. Da könne es durchaus vorkommen, dass „sich die Chefin selber als Helfer einteilt“. Zudem setze die Einweihung dieses Kreisverkehrs Maßstäbe, fügte er dankend und anerkennend an.

Wie schon zuvor Pfarrer Mario Ertel, der zusammen mit seinem katholischen Amtskollegen Willibald Brems die Segnung vornahm, sah er Parallelen zwischen einem Kreisverkehr und der Gesellschaft. „In beidem sollten gegenseitige Rücksichtnahme gelten.“ Der evangelische Geistliche hatte hervorgehoben, dass ein Langsamer-Werden, gedankliche Schleifen oder ein Innehalten guttäten – und ein Kreisverkehr genau das bewirke. „Man muss abbremsen.“ Daher sei er ein Sinnbild für das Leben. Im „Fall“ Memmert komme ein imposantes Kunstwerk hinzu, das Zeug zur Inspiration habe.

„Vor mehr als 50 Jahren hat hier eine Erfolgsgeschichte begonnen“, leitete Christiane Riefler dann den Festakt ein. Bereits als Kind war sie bei der Grundsteinlegung für die nunmehr älteste Halle des weltweit operierenden Betriebs dabei. „Das macht etwas mit dir“, gab sie gerne zu. „Hier sind unsere Wurzeln.“ Es sei der Familie und der Geschäftsleitung ein Anliegen, die Werte von Firmengründer Willi Memmert weiterzuleben.

Daher seien Ausbildung und das Heranführen junger Menschen ganz wichtig, unterstrich die Geschäftsführerin. In der logischen Folge würden viele Lehrstellen geschaffen, zuletzt sogar - ungewöhnlich für ein auf Klimaschränke und Temperiergeräte spezialisiertes Unternehmen - für einen Koch. Wie die Unternehmenskultur gelebt wird, erlebten die Gäste, als und wie Christiane Riefler „ihrem“ Team für die Vorbereitung des Festtages und die Mithilfe dankte.

„Wir sind sehr gerne ein Teil von Büchenbach und des Landkreises“, betonte die Firmenchefin in dritter Generation. Die Gemeinde habe bereits mit der Umbenennung der Industriestraße in Willi-Memmert-Straße im Jahr 1994 Wertschätzung gezeigt. „Der Memmert-Kreisverkehr ist da wohl die logische Folge“, meinte sie augenzwinkernd.

Dabei ist der Anlass ein weitaus ernster(er). Immer wieder kam es an der sogenannten „Memmert-Kreuzung“ zu schweren und teils tödlichen Unfällen. Weil der Knotenpunkt aber in der Prioritätenliste des Freistaats ziemlich weit unten angesiedelt war, entschlossen sich Landkreis, das Staatliche Bauamt und die Gemeinde Büchenbach, den Umbau zum Kreisel als „Sonderbaulast“ anzugehen.

Das bedeutet, dass jemand anders als der eigentlich Zuständige baut, erklärte Landrat Schwarz. Im Fall Memmert der Landkreis statt dem Staatlichen Bauamt, für das Andreas von Dobschütz gekommen war. Gekostet hat der Kreisverkehr rund 1,385 Millionen Euro. Knapp 900 000 Euro übernimmt der Freistaat, rund 145 000 Euro kamen von der Büchenbach-Aurach-Gruppe und weitere 4000 die Stadtwerke Schwabach in die Wasserversorgung investiert.

„Ein Riesenfortschritt für die Büchenbacher und alle, die hier vorbeifahren“; schloss sich Bürgermeister Helmut Bauz den Lobreden an. Auch er spannte den Bogen zurück zu den Unfällen. Ein schlimmer im Winter 2021 hatte schließlich dazu geführt, im Gemeinderat einen neuen Anlauf in Sachen Entschärfung zu starten. „Diskutiert wurde das schon über 20 Jahre.“

Als er mit dem Vorhaben beim damaligen Landrat Herbert Eckstein vorstellig wurde, habe das Gespräch keine zehn Minuten gedauert. Bauz bestätigte die Einordnung, das von Kreistagsbeschluss über Grunderwerb, Absprachen, Planung und Bau „Alles Hand in Hand super geklappt hat und die Rädchen bestens ineinandergelaufen sind“. Nach der Umgehung Aurau und dem Kreisel in Neumühle sei dieser nun „der Puderzucker obendrauf“. Und schön schaue er auch noch aus.

Das ist in erster Linie Sabine Mädl zu verdanken, die die Skulptur geschaffen hat. Angefragt wurde sie im Frühjahr 2025, nach intensiver Beschäftigung mit der Firma kristallisierte sich das Quadrat als verbindendes Element heraus. In ihnen gehen die Memmert-Produkte in die ganze Welt. Mädl sprach von der „Idee des gehaltenen Raumes“. Besonders sei die Anordnung von groß (in der Mitte) nach klein. Das erzeuge Dynamik und greife so die Kreisbewegung auf.

Weitere Herausforderungen: das Kunstwerk soll von jedem Punkt beim Umfahren interessant sein und eigentlich hätte das größte Quadrat filigraner sein sollen – was aber statisch nicht umsetzbar war. Sabine Mödl dankte „Metallmensch“ Hermann Drescher für seine Ratschläge und den beiden Studentinnen Lisa Harseim und Merle Brack, die sie tatkräftig unterstützt hatten. Ein weiteres Miteinander. Ein Miteinander in vielen Dimensionen, das ganz offenbar wesentlicher Bestandteil der Memmert(-Kreisel)-DNA ist.

Presseanfragen

Anschrift

Weinbergweg 1
91154 Roth